Der Entwurf begreift die Kommandantenvilla des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenburg als Täterort und plädiert für die symbolische Zerstörung dieses baulichen Erbes des Nationalsozialismus – zugleich soll der Abriss jedoch dauerhaft erfahrbar und der Ort dem Vergessen entzogen werden. Der Bauschutt der oberirdischen Wände wird in die geöffneten Kellerräume geschüttet, in die als zentrales Element ein gleichseitiges Dreieck gestanzt wird, dessen Form an die farbigen Winkel zur Kategorisierung der Häftlinge erinnert, die von den Opfern später selbst angeeignet wurden. So entsteht auf dem Sockel der Villa ein dreieckiges Becken, in dessen Rand umlaufend eine Zeile aus dem Gedicht »G.A. nach Waldheim« von Herbert Bochow, einem 1942 hingerichteten Häftling des Lagers, gemeißelt wird: »Lebendiger Strom deiner Güte zieht unsere Gedanken durch Wände.« Der Täterort wird damit dreifach aufgebrochen – räumlich durch die Negation der Wände, funktional durch die Umwidmung zum Gedenkort und emotional, indem der menschenfeindlichen Haltung des NS-Staates ein sensibles, fürsorgliches Zitat entgegengestellt wird.
2020
Frankenberg
Wettbewerb
Stadt Frankenberg/Sa.
Wettbewerbsbeitrag
Hisham El-Hitami, Jonas Faber, Fabian Raith